Im Bezirk Neunkirchen sind viele Jugendliche und junge Erwachsene (bis ca. 25 Jahre) beschäftigungslos, einerseits aufgrund ihrer bisher erlernten Vermeidungsstrategien und Widerstandsressourcen, andererseits aufgrund fehlender Selbst- und Sozialkompetenz verbunden mit einem schwachen Kohärenzgefühl. Insbesondere weisen sie unter anderem folgende Kriterien auf:

  • Junge Menschen aus schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen
  • Schlechtes Bildungsniveau – teilweise mit fehlendem Abschluss der neuen Mittelschule
  • Eingeschränkte Arbeitsressourcen und eingeschränkte Produktivität
  • Jugendliche mit wenig Selbstvertrauen und –bewusstsein
  • fehlende Arbeitsmotivation bzw. –fähigkeit
  • Schwierigkeiten bei sozialer Teilhabe
  • Hohes Risiko für psychische und soziale Verhaltensauffälligkeiten
  • multidimensionale, persönliche Problematiken
  • Drogenaffinität
  • Anstrengungsverweigerung
  • Orientierungslosigkeit, sowohl im beruflichen, sozialen als auch im persönlichen Bereich
  • Vielschichtige Motivationsproblematiken

Unser niederschwellig gehaltenes Arbeitstrainingsprojekt ermöglicht es jungen Menschen den ersten Schritt in Richtung Erwerbstätigkeit zu machen, um Arbeitslosigkeit von vorn herein zu verhindern. Das Projekt „Get up!“ bietet Tätigkeiten auf vielen unterschiedlichen Ebenen an. Der Inhalt gliedert sich in vier elementare Grundeinheiten, die dazu dienen die Jugendlichen Schritt für Schritt an die Erfordernisse der Arbeitswelt heranzuführen. Praktisches Tun wird mit kognitiven Lernleistungen kombiniert und durch soziales Lernen in der Gruppe, Sport sowie ein individualisiertes Coaching ergänzt. In der Gruppe werden Einstiegsvoraussetzungen für jenes Berufsfeld trainiert, das den Möglichkeiten der Jugendlichen am besten entspricht.

Der Arbeitstag ist in verschiedene Trainingsmodule gegliedert. Diese Module sind so aufgebaut, dass die von den Jugendlichen zu erbringenden Aktivitäten gut auf die jeweils individuellen Ausgangslagen und individuellen Zielsetzungen abgestimmt werden können. Eingeteilt werden Subgruppen mit den Schwerpunkten Aktivierung (Einstiegshilfe), Übung (Training, berufliche Orientierung,…) und Spezialisierung (für eine spätere spezifische Berufsausbildung).

Im Rahmen der geltenden Ausbildungspflicht bietet unser Projekt die erste Einstiegshilfe Richtung Arbeit und weiterführende Kurse an. Ziel ist es arbeits(markt)fernen Jugendlichen eine regelmäßige Struktur anbieten zu können, um diese so schnell wie möglich mit sinnvoller Beschäftigung vor Erwerbslosigkeit, Frustration, Depression, Kriminalität etc. zu schützen.

Aufgrund dieser mannigfaltigen Problemlagen ist es diesen jungen Menschen meist nicht möglich die derzeit angebotenen niederschwelligen Beschäftigungsprojekte (Produktionsschule, Jobwerkstätte, etc.) durchzuhalten. Laut „Abbrüche in der Produktionsschule“ (Bundeskost 2017) lag die Abbruchsquote bei 25%. „Abbrüche sind jedoch nicht nur in der Produktionsschule ein Thema. Etwa ein Drittel aller Jugendlichen, die eine BHS beginnen, schließen diese nicht ab. In der BMS bricht sogar etwa die Hälfte aller ab, die mit der BMS begonnen haben (Statistik Austria, 2017). Laut Steiner (2015) brechen 37% der Jugendlichen, welche mit der überbetrieblichen Lehrausbildung (ÜBA) beginnen, diese wieder ab.“

GEFÖRDERT DURCH:

Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums: Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete